Erste Anfänge des Bierbrauens in Pilsen
Mit dem Bierbrauen begann man in Pilsen schon bald nachdem die Stadt gegründet worden war, im Jahr 1295. Das Recht Malz herzustellen und Bier zu brauen und auszuschenken war erblich, und es war jeweils an das Haus bzw. Grundstück gebunden.
So hatten auch an die 250 Pilsener Bürger von König Wenzel II. dieses Recht erhalten und sie brauten mehr als 700 Jahre lang ihr obergäriges Bier. Es dürfte nicht besonders gut schmeckt haben, denn nach Pilsen wurde besseres Bier aus Bayern und Sachsen und billigeres aus der näheren Umgebung eingeführt.
Neue Ära
Erst im Jahr 1839 konnte schließlich erreicht werden, dass sich brauberechtigte Bürger Pilsens zusammenschlossen, um Teilhaber an einer modernen Brauerei zu werden, die ein gutes Bier in ausreichender Menge herstellen sollte. Das Vorhaben wurde auch verwirklicht und so konnte im Jahr 1842 ein anerkannter Fachmann aus Bayern, der Bierbrauer Josef Groll, Einzug in das Bürgerliche Bräuhaus halten. Dem damals noch nicht dreißigjährigen Mann gelang es hier, den ersten Sud eines goldhellen, spritzigen und ungewöhnlich wohlschmeckenden untergärigen Biers zu brauen – das Pilsner Lagerbier.
„Groß war die Bewunderung, als sich dieses (Bier) mit seiner goldhellen Farbe, mit seinem kräftigen Mousseux, das einen schneeweißen dicken Schaum aufwarf, den Trinkern präsentierte, und allgemeiner Jubel erscholl, als sich diese von dem schneidigen, köstlichen, nie wahrgenommenen Geschmacke überzeugten“, beschrieb später ein Chronist dieses Ereignis.
Bald hörten die Biertransporte nach Pilsen auf, der gute Ruf des neuen Biers hatte sich in Windeseile verbreitet, nicht nur in Pilsen. Das Pilsner Bier begann seinen Siegeszug auch außerhalb der Stadt. Das war damals das Verdienst u. a. der Fuhrleute, die damals mit ihren schweren Fuhrwerken überall auf den Landstraßen unterwegs waren. Das Interesse am Pilsner Lagerbier war außerordentlich groß – bald eroberte es die westböhmischen Kurbäder, wo es von wohlhabenden Kurgästen aus Deutschland und Frankreich entdeckt wurde. Bald wurde es im Ausland bekannt und beliebt, in den 70er Jahren des 19. Jh. auch in Amerika. Mit der Zeit häuften sich zu Hause und im Ausland die Versuche, das Bier nachzuahmen. Das Bürgerliche Bräuhaus ließ daher im Jahr 1859 die Schutzmarke Pilsner Bier registrieren. In Pilsen entstanden aber auch neue Brauereien, die alle Pilsner Bier herstellten und dabei vom Weltruf des Erzeugnisses aus dem Bürgerlichen Bräuhaus profitierten. Und so kam es zu einer weiteren Neuerung: im Jahr 1898 wurde die Schutzmarke, der Handelsname Pilsner Urquell – tschechisch Plzeňský Prazdroj – eingetragen (er soll in Zusammenarbeit mit Berliner Handelsvertretern des Bürgerlichen Bräuhauses entstanden sein)
Dazu muss gesagt werden, dass unter der Bezeichnung Pils, Pilsner und Pilsener heute hunderte Brauereien überall auf der Welt Bier herstellen und dass deren Konsumenten dieses Bier nicht mit der Stadt Pilsen in Zusammenhang bringen, sondern nur mit dem Typus des hervorragenden stark gehopften goldhellen Lagerbiers, das 1842 erstmals im Bürgerlichen Bräuhaus in Pilsen gebraut worden war.
Das Bier mit der unübertroffenen Qualität, in seinem Erscheinungsbild einem Kunstwerk vergleichbar, ist ein Symbol für das Können und die Leistungsfähigkeit der Menschen in unserem Land. Es ist ein wirksames und durch und durch freundliches Instrument, das unser Ansehen in der ganzen Welt hebt. Das Pilsner Urquell und seine Originalität ist für Bierbrauer, Künstler, Unternehmer, Millionen Menschen, die sich mit Freunden an einen gemeinsamen Tisch setzen, eine Quelle der Inspiration.